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Wind und Wetter von Sissel Tolaas


Die sinnliche Wahrnehmung von Wetterphänomenen ist eines der großen Themen der Künstlerin. Ihre skulpturalen Konstruktionen und Objekte sind ästhetisch geformte Versuchsanordnungen, die diese Erfahrungen ermöglichen. Sie zeigen aber auch stets den unbeirrbaren Versuch der Menschen, diesen Phänomenen mit der Sprache oder mit rationalen Ordnungssystemen Herr zu werden. Denn auch in Bezug auf das Wetter wird schnell deutlich, dass uns meteorologische Angaben wie Windgeschwindigkeit, Temperatur, Himmelsrichtung und die exakte wissenschaftliche Bezeichnung spezieller Phänomene nie so viel über das Wetter verraten werden, wie die eigene konkrete Erfahrung uns vermittelt.


Als Landmarke auf dem späteren Rodelberg im Osten der Messestadt Riem hat Sissel Tolaas ein temporäres Kunstprojekt geplant, das seinen Ausgang in der vormaligen Flughafensituation des Geländes nimmt. Gestalt und Funktion des Flughafens orientierten sich an der einen vorherrschenden Windrichtung und den aktuellen Wetterbedingungen. So war hier in den beiden unteren Geschossen des Towers eine Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes angesiedelt, um stets über die klimatischen Bedingungen wachen zu können. Wenn die Planer der neuen Messestadt die Landebahn als Schneise im Stadtgebiet betonen, entsprechen sie zwar in erster Linie den eigenen, städtebaulichen Anforderungen nach natürlicher Durchlüftung der Stadt, sie zeigen damit aber auch die Windrichtung auf, an der sich zuvor alle Flugzeugstarts ausrichteten.

Stand Sommer 2000